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Baffle-Step erklärt – und wie du ihn kompensierst

Fast jeder selbstgebaute Lautsprecher klingt ohne Korrektur im Grundton dünn. Der Grund ist nicht das Chassis, sondern die Schallwand: Unterhalb einer bestimmten Frequenz verteilt sich der Schall rundum, und auf Achse fehlen bis zu 6 dB.

Woher der Baffle-Step kommt

Ist die Wellenlänge klein gegenüber der Schallwand, strahlt das Chassis nur nach vorn ab – in den Halbraum. Wird die Wellenlänge größer als die Schallwand, läuft der Schall um das Gehäuse herum und verteilt sich auf den Vollraum. Im Halbraum wirkt die Schallwand wie ein Spiegel: Der Schall, der sonst nach hinten ginge, kommt phasengleich nach vorn dazu, und der Schalldruck auf Achse ist doppelt so hoch wie im Vollraum. Fällt diese Verdopplung weg, fehlen auf Achse bis zu 6 dB.

Der Übergang ist eine Stufe über etwa zwei Oktaven, keine Kante. Ihre Mitte liegt nach der verbreiteten Faustformel bei f3 ≈ 115 / B, mit der Schallwandbreite B in Metern: 20 cm → rund 575 Hz, 30 cm → rund 380 Hz.

Beugung: die Welligkeit obendrauf

An den Kanten der Schallwand entsteht eine zweite, verzögerte Schallquelle. Je nach Frequenz addiert sie sich zum Direktschall oder löscht ihn teilweise aus – der Frequenzgang wird um den Baffle-Step herum wellig, typischerweise um einige dB. Mittig sitzende Chassis auf schmalen Schallwänden zeigen das am stärksten; versetzte Chassis und abgerundete Kanten glätten es. Die Faustformel kennt nur die Breite, die Welligkeit nicht.

Kompensieren – passiv

Klassisch ist ein Netzwerk vor dem Tieftöner: eine Spule mit parallelem Widerstand. Unterhalb des Steps lässt die Spule alles durch; oberhalb begrenzt der Widerstand den Strom, und der Tieftöner spielt um den gewählten Betrag leiser. Oft reicht auch eine größere Tiefpass-Spule, deren Abfall früher beginnt.

Der Preis: Der Tieftöner verliert oberhalb des Steps Pegel. Hoch- und Mitteltöner müssen um denselben Betrag abgesenkt werden (z. B. mit einem L-Pad), der Wirkungsgrad der ganzen Box sinkt also.

Wie viel du kompensierst, hängt vom Aufstellort ab: Frei im Raum fehlen fast die vollen 6 dB, nahe der Rückwand kommt ein Teil zurück. Viele Entwickler wählen 3–4 dB und hören dann nach.

Die Übergangsfrequenz und Startwerte für Spule und Widerstand rechnet der Baffle-Step-Rechner.

Warum die Simulation mit Messdaten genauer ist

Misst du das Chassis im fertigen Gehäuse (gegatet, auf Achse), steckt der Baffle-Step oberhalb des Fensters schon in der FRD – samt der Beugungswelligkeit deiner Schallwand. Unterhalb reicht das Fenster nicht mehr; dort ergänzen viele eine Nahfeldmessung, deren Pegel an den gegateten Teil angepasst wird. In der Simulation wirkt das Netzwerk dann mit der echten Impedanz (ZMA) des Tieftöners und der Gleichstromwiderstand (DCR) der Spulen zählt mit – beides verändert das Ergebnis der Faustformel.

FRD- und ZMA-Dateien erzeugen · Wie du Spulen-DCR und Bauteile in Crover einstellst: Bauteile im Handbuch

Baffle-Step-Kompensation in Crover simulieren

Quellen und weiterführende Links